Vortrag zum Thema „Warum klingt die japanische traditionelle Musik oft dissonant? – Hintergründe und Spielweisen der Gagaku genannten Hofmusik verstehen lernen

Referent und Musik?
Dr. Yoshiro Shimizu

Wann?
Freitag, 14.07.2023, 19 Uhr,

Wo?
Bürgerzentrum Stuttgart-West, Otto Herbert Hajek Saal, Bebelstr. 22, 70193 Stuttgart

Beschreibung
Vortrag mit musikalischer Darbietung der Gagaku-Instrumente Ryūteki (Querflöte), Hichiriki (Oboe) und Shō (Mundorgel)

In Deutschland hört man oft, dass sich die japanische Musik, insbesondere die traditionelle Hofmusik Gagaku, dissonant anhöre. Besonders stark tritt dieser Eindruck bei Personen auf, die musikalisch sind oder sich mit klassischen Instrumenten wie Klavier oder Geige beschäftigen. Andere empfinden diese Art von Musik einfach nur als fremd und können keinen Zugang zu ihr finden.

Gagaku bezeichnet die japanische Hofmusik. Als Ensemble-Musik wird sie seit 1200 Jahren am japanischen Kaiserhof gepflegt und bis heute ununterbrochen praktiziert. Ursprünglich stammt diese Musik aus China, sie wurde jedoch mit der einheimischen japanischen Musik (Gesang) verbunden, verschmolzen und schließlich an die Kultur in Japan angepasst. Sie wird hauptsächlich bei religiösen Ritualen gespielt und enthält immer noch deutliche Spuren von musikalischen Elementen aus der Antike in Asien. Auch wenn die Gagaku-Musik im Laufe der Zeit an die japanische Kultur angepasst wurde, so steht sie doch in der chinesischen Musiktradition und fußt auf der chinesischen Musiktheorie, obwohl viele ausübende Musikerinnen und Musiker sich dessen nicht bewusst sind und die sich dahinter verbergende Theorie nicht kennen.

Die Dissonanz wird auf Japanisch als Sure(ru) und Zure(ru) bezeichnet. Zure(ru) bedeutet „schief spielen“ oder „verstimmen“. Der verstimmte Ton entsteht dabei durch mangelnde Technik. Sure(ru) hingegen bedeutet „der erwartete reibende Ton“. Für Nichtkenner klingen diese beiden Klänge fast gleich: als unangenehme Disharmonie.

Zwar müssen sich die Ohren der Zuhörenden an den „verstimmten Klang“ gewöhnen – daran lässt sich nichts ändern – aber dem Sinn der Dissonanz können wir nachspüren und ihm näherkommen. In China im 7. Jahrhundert ähnelte der Klang eher der griechischen Harmonie, damals wurde nicht „verstimmt“ gespielt wie heute. Seit wann und warum entstand aber die Dissonanz in der japanischen Hofmusik? Kann man den Grund für die Verstimmung nachverfolgen? Das wollen wir im Vortrag gemeinsam überlegen.

Dieser Vortrag vermittelt den Zuhörenden eine musikalische Brücke zum Verständnis zwischen Deutschland und Japan. Im Rahmen des Vortrags werden verschiedene Instrumente der Hofmusik beispielhaft vorgespielt, wie zum Beispiel Ryûteki (Querflöte), Hichiriki (Oboe) und Shô (Mundorgel).