Für die Entwicklung und Förderung der deutsch-japanischen Beziehungen ist das Lager Bandô, in dem deutsche Kriegsgefangene nach dem Fall von Tsingtau untergebracht wurden (1917 bis 1920), von wesentlicher Bedeutung. Das Entgegenkommen der japanischen Lagerleitung ermöglichte ein reges kulturelles Leben im Lager. Deutsche Kultur kam durch Handwerkskunstausstellungen sowie in zahlreichen Theater- und Konzertaufführungen zur Entfaltung. Bekanntestes Beispiel ist Beethovens „Symphonie Nr. 9“, die 1918 in Japan zum ersten Mal durch eines der Lagerorchester aufgeführt wurde. Der Austausch zwischen Deutschen und Japanern setzte sich auch nach Schließung des Lagers fort, da sich eine größere Anzahl von Deutschen nach ihrer Entlassung in Japan niederließ.

Die Bibliothek des Deutschen Instituts für Japanstudien (DIJ, Tôkyô) besitzt eine größere Sammlung an Originalmaterialien aus Bandô sowie weitere Dokumente aus den anderen Lagern in Kurume, Marugame, Narashino und Tokushima. Es handelt sich dabei u.a. um in der Lagerdruckerei hergestellte Zeitschriften, Broschüren, Landkarten, Vortragsmanuskripte, Theater- und Konzertprogramme, Postkarten und Fotos.

Diese so genannte Bandô-Sammlung wird im Internet in einer virtuellen Ausstellung auf der Seite http://bando.dijtokyo.org präsentiert. Im heutigen Vortrag sollen anhand dieser Internet-Seite bei einem Rundgang durch Bandô die Kontakte zwischen Deutschen und Japanern, das „Theater ohne Frau“ sowie das Lagerleben zwischen Konditorei Geba und Fassbierausschank der Kegelbahnküche beleuchtet werden.

Ursula Flache ist Bibliothekarin und Japanologin. Sie hat von 2003 bis 2006 die Bibliothek des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tôkyô geleitet. Zur Zeit promoviert sie an der Universität Tübingen mit einer Arbeit zum Itsukushima Schrein.